Michael Sahm

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Michael Sahm

Michael Sahm arbeitet für die »Forest Carbon Group« in Frankfurt am Main. Dort verantwortet er die Bereiche Marktanalyse, Geschäftsentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit. Er hat mit Regierungen, staatlichen Einrichtungen, Unternehmen, Kommunen und NGOs zusammen gearbeitet, um nachhaltige Landnutzungsprojekte zu entwickeln und umzusetzen, von denen Menschen und Umwelt profitieren. Zudem arbeitet er mit Unternehmen daran, nachhaltiges Wirtschaften zu einem Erfolgsfaktor für das eigene Geschäft zu machen. Bevor er zur Forest Carbon Group kam, arbeitete er als Berater und Journalist für das öffentlich-rechtliche Radio und Printmedien. Er berichtete für die tageszeitung mehrere Jahre als Korrespondent aus den USA. Später wechselte er vom Journalismus in die Wirtschaft, war für die Unternehmensberatung »Carbon International« in Brüssel tätig und unterstützte Cleantech-Firmen bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Kommunikationsstrategien, vor allem in Vorbereitung auf Börsengänge. Zudem beriet er die Weltbank und das World Bank Institute in Washington in Kommunikationsfragen zu den Themen Klima- und Biodiversitätsschutz sowie Kohlenstoffmärkte. Im Jahr 2008 veröffentlichte er das Buch „Die Klima-Prioritäten – Was wir jetzt zur Rettung der Umwelt tun müssen“. Darüber hinaus publiziert er zu den Themen Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz in Fach- und Branchenmagazinen.

Michael Sahm ist am Deutschen SchauSpielHaus Hamburg als Experte bei der »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll beteiligt.


DREI FRAGEN AN MICHAEL SAHM:

>> Wann und wie kamen Sie das erste Mal mit dem Thema Klimaänderungen in Berührung?

Theoretisch zunächst während meines Studiums (Wirtschaftsgeografie) Anfang der 1990er Jahre, als ich mich mit den Themen des Weltgipfels von Rio 1992 beschäftigte. Hautnah zuerst während meiner Zeit in Indonesien 1994, wo ich im Rahmen eines Stipendiums für ein Jahr lebte und arbeitete. Zu dieser Zeit schickte sich das Land an, einer der weltweit größten CO2-Emittenten zu werden in dem es große Flächen tropischer Regenwälder rodete (und dies nach wie vor tut), um Palmölplantagen und Papierholzforste anzulegen.


>> Wenn Sie für einen Moment absolute Vollmacht und Handlungsfreiheit hätten, was würden Sie tun / verlangen, hinsichtlich der sich abzeichnenden Klimaveränderung?

Erstens: Ich würde allen volljährigen Menschen in Industrie- und Schwellenländern ein persönliches jährliches Emissionskonto geben, das eigene nachhaltige CO2-Guthaben, von dem der private Ausstoß an CO2-Emissionen abgerechnet wird. Dessen Höhe ist vermögensabhängig und wird stufenweise, auch abhängig von technischer Entwicklung, reduziert. Wie beim Emissionshandel zwischen Unternehmen können Menschen dann ihre CO2-Emissionen handeln, d.h. müssen zukaufen oder können verkaufen, je nachdem ob sie weniger verbrauchen oder mehr. Zweitens: Ich würde eine großangelegte öffentliche Kampagne anstrengen. Eines der Hindernisse in Sachen Klima- und Umweltschutz ist das menschliche Verhalten bzw. sein Beharrungsvermögen.


>> Wie sieht Welt in 50 Jahren aus?

Vieles, wenn nicht alles, hängt von Krieg und Frieden ab. Im ersten Fall, dürfte sich das Interesse am Klimawandel in Grenzen halten. Im zweiten Fall wird viel Unvorhergesehenes geschehen und es wird bis 2050 viele gleichzeitige Entwicklungen geben. Siehe China, das mittlerweile modernste und marode Infrastruktur vereint. Siehe Brasilien, das weiterhin große Regenwaldflächen in Acker und Viehweiden umwandelt, gleichzeitig immer besser Wälder bewirtschaftet und schützt. Und die Niederlande werden ein gefragtes Land sein mit ihrem Wissen und der Fähigkeit, Land und Leben dem Meer abzutrotzen. Ansonsten hoffe ich, dass die Welt 2050 zurück blicken und den Kopf schütteln wird über eine Zeit Anfang des Jahrhunderts, als Ressourcen verschwendet wurden, als gäbe es kein Morgen und es noch keine Kreislaufwirtschaft gab, als Investoren ihr Geld in Kohlekraftwerke steckten, nur um es später aus dieser risikoreichen und unrentablen Anlage abzuziehen, als Rindfleisch unser täglich Brot war, und der massenhafte Konsum alle Energieeffizienzgewinne zunichte machte.

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