Prof. Dr. Boris Koch

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Prof. Dr. Boris Koch

In der norddeutschen Region aufgewachsen, bin ich seit jeher vom Meer fasziniert und habe schon in meiner frühen Kindheit die Dokumentationen von Jacques Cousteau gebannt verfolgt. Nach meinem Studium der Chemie und der Marinen Umweltwissenschaften in Oldenburg fand ich in Bremen mit dem Zentrum für Marine Tropenforschung einen Arbeitgeber, bei dem ich mich der Mangrovenforschung in Nordbrasilien widmen durfte. Dort habe ich mich mit chemischen Fingerabdrücken von Mangroven und der Änderung des relativen Meeresspiegels in der Region beschäftigt. Nach Abschluss meiner Dissertation habe ich meinen Forschungsschwerpunkt von den Tropen in die hohen Breiten verlagert. Am Alfred-Wegener-Institut Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung bin ich stellvertretender Leiter der Sektion »Ökologische Chemie« und beschäftige mich mit dem organischen Kohlenstoffkreislauf in den Polarmeeren und mit den gefrorenen Böden des sibirischen Permafrosts. Zahlreiche Expeditionen führten mich in das antarktische Weddellmeer, in die grönländische Fjordlandschaft oder in das riesige Delta des Flusses Lena in Ostsibirien. Seit 2008 bin ich Professor für Chemie an der Hochschule Bremerhaven in den Studiengängen Biotechnologie und Maritime Technologie. Als Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Meeresforschung, die ihren Sitz in Hamburg hat, versuche ich zur Vernetzung deutscher Meeresforscher beizutragen. Als Polar- und Meeresforscher betrifft mich das Thema Klimawandel in meiner Arbeit stets unmittelbar. Die meisten meiner Forschungsaktivitäten stehen in einem engen Zusammenhang mit den einschneidenden Änderungen, die wir zum Beispiel in der Arktis und im sibirischen Permafrost beobachten. Als Chemiker arbeite ich an Fragen, die die Stoffkreisläufe betreffen und die bislang noch unzureichend geklärt sind.

Prof. Dr. Boris Koch wirkt am Deutschen SchauSpielHaus Hamburg als Experte bei der »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll mit.


>> Wann und wie kamen Sie das erste Mal mit dem Thema Klimaänderungen in Berührung?

Das Thema Klimawandel beschäftigt mich seit meinem Studium. Mit den möglichen Auswirkungen des Klimawandels befasste ich mich in den Mangrovenwäldern Nordbrasiliens. Diese Küstenwälder bilden einen natürlichen Schutz gegen das Meer, können einem Meeresspiegelanstieg aber nur begrenzt widerstehen.


>> Wenn Sie für einen Moment absolute Vollmacht und Handlungsfreiheit hätten, was würden Sie tun / verlangen, hinsichtlich der sich abzeichnenden Klimaveränderung?

Der Kern des Problems beim anthropogenen Klimawandel ist exponentielles Wachstum. Ich sehe den einzigen Ausweg in der Etablierung einer Postwachstums-Ökonomie mit der konsequenten Vermeidung von Emissionen und der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen – auch wenn dies voraussetzt, dass sich unsere Lebensqualität und -gewohnheiten drastisch verändern.


>> Wie sieht die Welt in 50 Jahren aus?

Für Hamburg und Europa sehe ich für die nächsten 50 Jahre zwar finanzielle, aber keine existentiellen Bedrohungen durch den Klimawandel. Weltweit gibt es allerdings Länder, die schwerwiegende Folgen, beispielsweise durch steigenden Meeresspiegel, Verknappung von Süßwasser-Ressourcen und häufigere Extremwetterereignisse, befürchten müssen. Es sind hier besonders die Menschen in den ärmeren Ländern, wie zum Beispiel Bangladesch, die am stärksten durch diese Folgen betroffen sein werden.

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